Lasst unsere erfolgreichenTeams weiterarbeiten! Förderkürzungen in Tirol bedrohen Arbeitsplätze, Betriebe und Projekte.

Sehr geehrte VertreterInnen der Medien,

wie bereits bekannt wurden die GeschäftsführerInnen der Tiroler Beschäftigungsbetriebe am 17. Mai vom AMS-Tirol informiert, dass es sich zu drastischen Kürzungsmaßnahmen im Bereich der sozialökonomischen Betriebe und gemeinnützigen Beschäftigungsprojekte genötigt sieht.

Für 2019 seien daher Kürzungen im Ausmaß von 20% bzw. € 1,5 Millionen in diesem Bereich geplant. Hintergrund sind ein deutlich gekürztes AMS-Budget und Bundesvorgaben.

Das Ausmaß der Kürzung in dieser dramatischen Höhe kommt völlig unerwartet. Wir sind betroffen und bestürzt. Es droht der Verlust von bis zu 108 Arbeitsplätzen.

Von den Kürzungen betroffen sind bekanntlich Einrichtungen in Lienz, Reutte, Imst und Wörgl:

  • SOFA in Lienz – der ganze Betrieb s`Gwandtl ist von der Schließung bedroht (23 Arbeitsplätze)
  • OSPA Betriebe in Lienz – Teilbereiche von Schindel&Holz sind bedroht (20 Arbeitsplätze)
  • ISSBA in Imst und Reutte – Teilbereiche sind bedroht (30 Arbeitsplätze)
  • Neue Arbeit in Wörgl – Projekt müsste mitten im Aufbau gestoppt und eingestellt werden (35 Arbeitsplätze)

Allein im Bezirk Lienz droht der Verlust von 43 Arbeitsplätzen.

Der Großteil der bedrohten Arbeitsplätze betreffen Menschen, die schon sehr lange erfolglos Arbeit suchen. Deren Arbeitslosigkeit ist meist durch mehrere zusätzliche Probleme erschwert: Alter, Ausbildungsdefizite, Verschuldung, prekäre Wohnsituation bis zu Obdachlosigkeit, Betreuungspflichten usw… Viele der gefährdeten Planstellen betreffen die Zielgruppe Frauen mit über 50 Jahren. Ein kleinerer Teil betrifft auch Fachkräfte.

Die Zielgruppe braucht die Unterstützung beim Wiedereinstieg in die Arbeitswelt. Sie profitiert leider nicht vom wirtschaftlichen Aufschwung. Für viele von ihnen würden die Kürzungen den Verlust der Chance für einen begleiteten Wiedereinstieg ins Berufsleben bedeuten.

Die GeschäftsführerInnen der betroffenen Organisationen kämpfen daher für die Erhaltung möglichst vieler Arbeitsplätze und der betrieblichen Strukturen. Sie tüfteln an Auffang- und Reorgansiationskonzepten um zu retten, was zu retten ist. Denn würden Strukturen, die in vielen Jahren aufgebaut und entwickelt worden sind, zerstört, wäre es bei wieder wachsendem Bedarf an solchen Arbeitsplätzen viel schwerer und teurer, passende Angebote wieder aufzubauen.

Dies ist aber angesichts des Ausmaßes der geplanten Kürzungen eine gewaltige Aufgabe. Sie kann nur gelingen, wenn die Bemühungen um Auffangkonzepte auch von der öffentlichen Hand tatkräftig unterstützt werden. Dem Land Tirol kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.

Eine Delegation von arbeit plus war deshalb am 30. Mai bei der zuständigen Landesrätin Dr.in Beate Palfrader. Als ersten Schritt konnten die Geschäftsführer die Zusage mitnehmen, dass die Landesförderung in Summe für alle Beschäftigungsbetriebe erhalten bleibt und sie sich darüber hinaus bemüht, zusätzliche Mittel für die Einrichtungen zur Verfügung zu stellen. Diese Zusagen wurden allerdings mit dem Vorbehalt gemacht, dass es keine Kürzungsvorgaben im Ressort-Budget geben wird.

Die Berechnung, dass 108 Arbeitsplätze bedroht sind, hat nur die angekündigten AMS-Kürzungen berücksichtigt. Eine zusätzliche Kürzung von Förderungen des Landes wäre fatal und würde weitere Arbeitsplätze in Gefahr bringen. Deshalb ist es entscheidend, dass das Land Tirol keinesfalls seinerseits Mittel kürzt und sich noch stärker als bisher an der Finanzierung der Beschäftigungsbetriebe beteiligt.

Als nächster Schritt hat das Netzwerk um ein Gespräch mit Herrn Landeshauptmann Günther Platter und Frau Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe ersucht, um das Anliegen vorzubringen und um Unterstützung für die Anstrengungen der betroffenen Einrichtungen zur Rettung von Arbeitsplätzen und Strukturen zu bitten. Dabei geht es vor allem um die budgetären Rahmenbedingungen. Nur wenn das Land Tirol zusätzlich Geld in die Hand nimmt und die Beschäftigungsbetriebe noch stärker unterstützt, haben Rettungspläne Aussicht auf Erfolg.

Die Hoffnung der betroffenen Organisationen richtet sich auch auf eine stärkere Unterstützung der Gemeinden.

Wenn alle zusammenhelfen, hofft das Netzwerk der Sozialen Unternehmen „arbeit plus-Tirol“, dass auch von Seiten des AMS-Tirol noch etwas Unterstützung für solche Auffangpläne kommen könnte.

arbeit plus Tirol ist überzeugt, dass jeder Euro, der in Angebote für Landzeitarbeitslose und solche Beschäftigungsbetriebe investiert wird, gut investierte öffentliche Mittel sind, die rasch wieder in den öffentlichen Haushalt zurückkommen. Es macht aus unserer Sicht viel Sinn, die Bestrebungen von Menschen, die schon sehr lange vergeblich Arbeit suchen, zurück in die Erwerbsarbeit zu unterstützen und den Weg dorthin zu erleichtern. Nur so können sie wieder selbst Einkommen aus Arbeit verdienen. Das ist nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe – und die Betroffenen tragen mit Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen selbst wieder zu den öffentlichen Budgets bei. Niemand kann wollen, dass Menschen dauerhaft an den gesellschaftlichen Rand gedrängt werden und in der Langzeitarbeitslosigkeit und Abhängigkeit von Arbeitslosenunterstützung sowie Mindestsicherung bleiben. Auch dies kostet erhebliche öffentliche Mittel, die Wirkung ist aber nicht nachhaltig, weil sinnvolle Perspektiven für die Betroffenen fehlen.

Wir bedanken uns für die bisherige Berichterstattung und ersuchen, weiter am Ball zu bleiben!

Freundliche Grüße,

Wilfried Hanser für arbeit plus Tirol

 

Rückfragen bei den betroffenen Organisationen von arbeit plus-Tirol: